Dienstag, 10. Februar 2015

Lebenssituation

Ich muss meine Meinung über mich definitiv revidieren. Ich bin kein Genie, in keinster Weise. In den 4 Monaten habe ich so viele besondere und schlaue Menschen getroffen, dass ich mir so unglaublich dumm vorkomme. Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke fällt mir ein, dass ich Mathe am Anfang nicht besonders mochte und auch nicht sonderlich gut darin war. Physik hat mich zwar immer interessiert, aber ich war nie von Anfang an ein Überflieger. Ich glaube, meine Begabung für Naturwissenschaften rührt daher, dass ich mir Vorgänge gut Merken kann. Nicht Vokabeln oder Jahreszahlen sind meine Spezialität, sonder Mechanismen. Genau das, was du für Naturwissenschaften brauchst. In Mathe folgt alles gewissen Regeln. Hast du die verstanden, kannst du das Spiel spielen. So ähnlich funktioniert es auch in Physik. Und eben das habe ich die letzten Jahre gemacht. Natürlich bin ich auch fasziniert von den ganzen Vorgängen in der Welt, die nur mit Physik erklärt werden können. Doch jeder Tag wirft neue Fragen auf. Wir, die Menschheit werden nicht ewig bestehen, noch ca 4,6 Jahre, dann ist die Erde Geschichte. Für das Universum ist das ein Witz. Ich frage mich, ob es nicht sinnlos ist Erkenntnissen hinterher zu jagen, die sowieso wieder verloren gehen. Sollte ich nicht versuchen den Menschen hier und jetzt zu helfen?
Ich habe schon gesagt, wenn ich durch das Physikstudium durchfalle werde ich Pilot oder Hochseekapitän, aber davor bereise ich die Welt. Ja, unsere Welt ist das einzige, was mir immer noch Freude bereitet. Ach man. Ich vermisse die alten Zeiten, die Zeit auf dem Gymmi. Ich weiß, dass die Zeit nie wieder kommen wird und das tut verdammt weh. Ich habe hier zwar viele Menschen getroffen, bin in einem Kreis aus ca 15 Leuten, aber nur zu einem habe ich eine tiefere Freundschaft aufgebaut. Alle anderen kommen für mich nicht in Frage. Ich finde die Welt hier seltsam. Die Menschen sind komisch. Irgendwie ist das eine andere Mentalität, aber ich weiß nicht so richtig woran es liegt. Vielleicht ja wirklich am Geld...
Die Feuerwehr ist meine festeste Stütze. Die Herzlichkeit dort lässt mich an zu Hause denken. An all meine Freunde und die verdammt schöne Zeit, die wir miteinander hatten. Ich sehe unsere lachenden Gesichter und fühle die Verbundenheit. Und dann sehe ich die Jahre, die noch auf mich warten. Ich werde einen großen Teil meines Weges alleine gehen, aber das hatte ich eh erwartet und wenn ich ehrlich bin, bin ich so gut wie immer selbst Schuld, dass mein Leben läuft, wie es läuft.
So langsam sehe ich mein Leben als Reise oder Spiel. Ich nehme nichts mehr so richtig ernst. Mein Studium natürlich schon, aber ich meine Zwischenmenschliche Dinge. Mich kann man fast nicht mehr verletzten. Aber dadurch wird mich auch einfach nie jemand lieben, denn wer glaubt mir denn, dass er mir wichtig ist, wenn er mich nicht verletzten kann? Wenn ich sage, ich habe einfach alle Möglichkeiten schon in Betracht gezogen, dann wird man mir vorwerfen, ich hätte kein Glauben in unsere Beziehung. Aber verdammt, so bin ich nun mal!
Letztens wurde ich wieder darauf angesprochen wie schnell ich tiefe Bindungen aufbauen kann, aber eben nur Kumpelhaft. Darin bin ich ein wahrer Meister.Es hat mich gefreut, dass ich schon so tiefes Vertrauen aufbauen konnte, in nur 3 Monaten, aber gleichzeitig hat es mir wieder vor Augen geführt, dass ich über Freundschaft nicht hinauskomme. Weiterhin hörte ich öfter ich solle mir doch mal einen Freund anschaffen, natürlich war das mehr scherzhaft gemeint, aber mal im Ernst, ich habe keine Ahnung, wie man das macht. Ich treffe einfach keine Männer, die ich attraktiv oder Interessant finde. Attraktiv vllt noch ja, aber die sehe ich meistens nur im Vorbeigehen auf der Straße. Bei mir im Studium, sind so viele einfach noch so jung, obwohl sie meistens sogar ein paar Jahre älter als ich sind. Ich bin einfach schon so "Erwachsen", dass ich mich nicht mit dem ganzen Machogehabe abgebe, aber wahrscheinlich ist das eine wichtige Entwicklungsphase, die mir dadurch verloren geht.
Ich will mich einfach nur Abends an einen anderen Körper anlehnen, die Augen schließen und mir geborgen vorkommen. Doch auf das Gefühl werde ich wohl noch viele warten müssen. Ich halte es nicht mal für unwahrscheinlich, dass ich dieses Gefühl zu Lebzeiten nie erfahren. Das ist auch einer der Gründe, warum mir mein eigener Tod keine Angst mehr bereitet. Einsamer als auf Erden kann es eigentlich nicht werden.
Ich bin einfach nur froh, dass ich meine Familie und Freunde noch habe, sonst wäre ich hier wirklich ganz allein. Ich liebe euch wirklich über alles!

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