Nun sind wir hier im Jahr 2016, aber anders fühlt es sich trotzdem nicht an.
Heute habe ich wieder gelernt, dass die Großstadt einfach nicht mein Zuhause ist. Es liegt Schnee und deshalb bin ich extra zum größten Park der Stadt gefahren um da durch den Schnee zu streifen. Ihr müsst wissen, dieser Park ist wirklich riesig, mindesten 2 km², also der nördliche Teil, durch den ich gewandert bin. Aber egal wie tief ich in den Park lief, überall hörte ich immer noch die Autos und Züge, überall waren Menschen, wenn mal 5 Minuten keiner zu hören oder sehen war, dann hatte ich schon echt Glück. Mich macht das alles traurig, über den ganzen Lärm hat man oft die Vögel gar nicht hören können. Ich verstehe jetzt, warum die Großstadt so viele Menschen krank macht, also psychisch. Du kannst hier einfach keine Freiheit Spüren, nicht im natürlichen Sinne, du bist nie wirklich alleine, außer vllt in deinen eigenen 4 Wänden, gefangen. Auch wenn das dumm klingt, aber diese Realisierung während des Spaziergangs hat mein Herz unglaublich schmerzen lassen. Ich wollte hier raus, nach Hause in die weiten Wälder und Wiesen, aber ich bleibe hier...
So oft kommt es mir vor, als ob die Menschheit vom Weg abgekommen ist. Ich glaube, unsere Gesellschaft ist nicht zum Leben gemacht, aber vielleicht bin auch ich einfach nicht zum Leben gemacht. Neulich habe ich mich mit einem Freund unterhalten, über Emotionen. Als er mich vor den Weihnachtsferien verabschiedete, sagte er: "Ich weiß, dass du das nicht magst, aber ich mache es trotzdem." und hat mich umarmt. Diese Worte beschäftigten mich seitdem sehr. Ich habe ihn jetzt darauf angesprochen und er meinte, dass er wirklich nicht wusste, ob ich das mögen würde oder nicht. Er sagte auch, ich würde wirken, als bräuchte ich nichts und niemanden. Ich solle meine Emotionen doch ruhig mehr zeigen, so werden auch mir gegenüber die Menschen ihre Emotionen zeigen. Ich merkte auch, dass ich viele Menschen in meinem Umfeld mit meinen Handlungen verletze. Mir ist aufgefallen, dass gerade meine Familie mich oft umarmen möchte, aber zögert und mir dann manchmal auch einfach nur die Hand gibt, aber der schmerzverzerrte Gesichtsausdruck von ihnen wird mir immer erhalten bleiben. In mir ist da wirklich eine Welt zusammen gebrochen. Ich wusste nicht, wie sehr ich die Menschen verletze, die mich lieben. Bei dem Gespräch meinte der Freund auf meinen Einwand hin, dass mich Emotionen auch verletzen werden und ich mir nicht sicher sei, ob ich das aushalten werde, dass ich mehr gewinnen als verlieren würde, wenn ich Gefühle zulasse und ausdrücke.
Ich finde das alles so ironisch. Vor 4 Jahren wollte ich ein Mensch sein, der kalt ist, der niemanden braucht, der jeden Mensch beiseite lassen kann. Heute bin ich nicht mehr weit davon entfernt, aber der Zweifel an meinem Weg war noch nie so groß wie jetzt. Eins steht fest, so wie ich jetzt bin kann ich nicht bleiben. Ich weiß ehrlich nicht, was ich machen soll. Es ist so selbstsüchtig von mir, mich nach einem Menschen zu sehnen, der mir Geborgenheit gibt, wenn ich doch ganz genau weiß, wie sehr ich diesen Menschen mit meinen Handlungen verletzten würde, wenn ich sogar meine Familie und Freunde verletze.
Da denke ich mir eben oft, vielleicht bin ich einfach nicht für das Leben gemacht. Nicht für das, was ich habe.
Mit meinen Eltern habe ich auch schon über meine Zukunft geredet. Sie werden mich nie zu etwas zwingen, aber wenn ich ihr Hoffnungen höre, dann weiß ich, dass ich ihnen in Zukunft noch so viel weiteren Schmerz zufügen werde. Sie werden noch etwas brauchen, bis sie sich von dem Gedanken, Enkelkinder zu haben, verabschiedet haben. Auch sind sie noch dabei zu verarbeiten, dass ich nie wieder nach Hause zurückkehren werde.Ich kann es einfach nicht. Da frage ich mich oft, ob die Menschen um mich herum glücklicher wären, wenn ich nicht so anders wäre, wenn ich zwar intelligent, aber nicht so sonderbar wäre mir meinen Ideen, Vorstellungen und Wünschen. Wenn ich einfach mein Abi gemacht hätte, in Berlin Studiert und bei uns in der Region einen recht gut bezahlten Job hätte, einen Mann finden würde, Kinder haben würde und in der Nähe leben würde. Ja, wären die Menschen um mich herum glücklicher? Wäre ich glücklicher?
Mein jetziges ich wäre es nicht, dass weiß ich, aber was, wenn ich dieses Ich nie entwickelt hätte. Jetzt kann ich nicht mehr zurück und diese Feststellung ist erschütternd. Ich werde mit diesem Standardleben der Modernen Welt nicht glücklich sein, toll.
Meine beste Freundin fehlt mir mal wieder so sehr, aber wir leben jetzt unsere eigenen Leben. Wir sind so weit entfernt, wie seit 4 Jahren nicht mehr, aber nicht selten sind unsere gemeinsamen Gespräche und Erlebnisse mein einziger Halt, wenn es um mein Problem mit Gefühlen geht. Bei ihr habe ich immer das Gefühl, dass sie mich versteht. Aber jetzt bin ich auf mich allein gestellt, sie kann mich nicht mein Leben lang an die Hand nehmen. Du wirst immer einen Platz in meinem Herz haben.
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