Lang, lang ist's her seit ich hier geschrieben habe. Ich werde nicht alles aufholen, was passiert ist, aber ich wollte mal wieder ein paar Worte verlieren.
Ich nehme mir ständig vor ein besserer Mensch zu werden, auf Menschen zuzugehen, Emotionen zu zeigen, einfühlsamer zu werden, Menschen eine Stütze zu sein. Ich arbeite daran, genauso wie ich an mir arbeite, an meiner Beziehung zu mir selbst. Aber ich musste wieder feststellen, dass ich kolossal gescheitert bin. Meine beste Freundin streicht ihre Wand. Jeder denkt sich jetzt, ja, und? Jeder verändert eben mal sein Zimmer. Ich meine, ich stelle ja auch Sachen um oder hänge neue Bilder an die Wand. Jop, das dachte ich auch, aber ich kenne meine Freundin eigentlich besser. Ich hätte fragen sollen, ob es einen bestimmten Grund gibt, gerade weil ich weiß, was auf den Wänden drauf war, aber nein, ich bin nicht mal auf die Idee gekommen. Ich habe sie stattdessen sogar nur mit meinen Problemen belagert. Ich meine, ja, sie hätte mir nicht zugehört, wenn sie es nicht hätte hören wollen, aber ich konnte ihr nicht helfen, das macht mich schon irgendwie traurig. Ich frage mich, warum ich so oberflächlich bin? Ich will mir nicht eingestehen, dass ich mit Menschen nicht gut agieren kann und deshalb muss ich weiter an mir arbeiten. Ich hoffe, du kannst noch so lange auf mich warten, bis ich es schaffe, dich zu verstehen.
Zum anderen bin ich immer wieder von Menschen überrascht. Ich habe ein altes Trauma von vor vielen Jahren überwunden. - Selbstretten, sich abseilen. Darin bin ich einfach nicht gut und in meiner Heimat war ich die einzige, die es nicht konnte. Alle haben mir irgendwelche Ratschläge gegeben und dann gerufen, ich soll mich anstrengen. Ich habe minutenlang in Seilen gehangen, es tat echt weh und ich wollte nur noch runter auf die Erde, aber ich musste mich durch quälen, obwohl ich es einfach nicht hinbekommen habe. Ich fühlte mich wie der letzte Versager.
Hier in München sollte ich das dann auch machen, ich dachte, ach, das wird schon, aber dann stand ich wieder an der Kante und nichts ging mehr. Ich hatte Angst, wieder genau das gleiche durchzumachen, aber diesmal hatte ich eine andere Person an meiner Seite. Dieser Mensch hat genau gesehen, wie ich mich fühlte, die richtigen Tipps gegeben, Vorübungen mit mir gemacht, mich einfach nicht aufgegeben und mir auch nicht das Gefühl gegeben, dass es schlimm wäre, das nicht zu können. Am Ende war ich gut, ich bin unten angekommen, ganz allein. Diese Person hat es geschafft, dass ich an mich selbst geglaubt habe, ich kann mich in den Seilen halten, ich werde nicht runter fallen. Er meinte dann noch: "Hab mehr Selbstvertrauen, dann du kannst alles schaffen!". Ich war so perplex. Leute bauen mich auf, dass gab es meiner Heimatwehr nicht wirklich. Mir ist erst da bewusst geworden, in was für einer "kalten" Umgebung ich aufgewachsen bin. Ich weiß jetzt, warum ich manchmal so schroff bin und andere Menschen unbewusst runter mache. Ich habe es nicht anders gelernt. Es ist wirklich traurig, dass ich einem Umfeld groß geworden sind, in dem Fehler eine große Schwäche sind. Ich hätte lieber ein Umfeld wie hier gehabt, Fehler kann man angehen, dass ist eine tolle Nachricht. Ich danke meinen Kameraden hier für diese Erfahrung!
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