Freitag, 16. Juli 2021

Back to the roots - und doch ganz neu

Wow. Es ist so viel passiert.
Zuerst - ich habe mich von der Gelibten Person getrennt, denn da war einfach keine romantische Liebe mehr. Es war keine Beziehung auf Augenhöhe. Ich habe ihn gefühlt bemuttert, denn ich kann es nicht ertragen, wenn ein mir wichtiger Mensch vor meinen Augen immer wieder mit Anlauf scheitert. Ich weiß, wie sehr es ihm weh tut. Ich will das verhindern, aber wenn die Person nicht will, dann muss ich zusehen - und das tut verdammt weh.
Außerdem wurde mir dieser Mensch Fremd. Ich komme mit meinem Körper nicht klar, sage, Körperkontakt ist schwierig und die Person fragt mich, ob wir nicht doch noch irgendwie Sex haben können? Nein! Also sieht es so aus, als ob wir uns nicht glücklich machen können, deshalb war eine Trennung unausweichlich. Ich gebe zu, ich hatte in dem Gespräch selbst nicht gemerkt, dass ich Schluss gemacht habe, aber als er dann nachgefragt hat, musste ich zustimmen.
Nun habe ich die Freiheit seine Probleme auch zu ignorieren, wenn ich weiß, sie würden mir zu großes Leid zufügen. Natürlich will ich ihm trotzdem helfen, aber mein Leben ist nicht mehr an sein Scheitern gebunden. Es tut mir leid, dass ich so harte Worte finde, aber vielleicht hat sich das alles zu lange angestaut.
Mitlerweile leben wir in WG-ähnlichem Zustand, das ist erträglich. Auf lange Sicht möchte ich aber wieder meine eigene Wohnung.

Dann habe ich entschlossen mir die Haare abzuschneiden. Im Nachhinein muss ich sagen - endlich! Ich fühle mich deutlich wohler. Ich habe mir auch Binder für meine Brust besorgt, die ich manchmal trage. Dann finde ich mich im Spiegel etwas erträglicher. Auch habe ich mir ein Hemd für die Hochzeit eines Freundes zugelegt. Ich muss sagen, damit finde ich mich tatsächlich hübsch in einem maskulineren Sinne. Das freut mich. Ich muss mich nicht in eine Rolle quetschen, wo ich nicht hin will. Das hilft mir auch mit meinem Körper etwas besser klar zu kommen.
In dem Zuge muss ich auch sagen, dass ich es endlich geschafft habe mich bei einem Fitnessstudio anzumelden. Jaaaa. Man glaubt es nicht, aber es ist wahr. Und ich gehe auch regelmäßig hin. Mich beruhigt es einfach, Übungen nach Plan abzuarbeiten. Und mich auszupowern tut auch gut. Ich hoffe einfach, dass in einem Jahr oder so in einem Körper bin, in dem ich mich wohler fühle, das würde schon reichen. Dann will ich beurteilen, ob mein weiblicher Körper oder das Fett mein Problem war/ist.

Eine wirklich bahnbrechnede Erkenntnis: Kuscheln ist ungleich Sex. Ein Kumpel, der meine Probleme mit Berührungen kennt, hat mir das gezeigt indem er meinte, ich brauche mal Konfrontationstherapie. Dafür bin ich ihm wirklich dankbar. Einfach ein bisschen Körperwärme eines anderen Menschen ist so beruhigend, wenn ich weiß, genau hier ist Schluss, dass ist nur kuscheln, ich bin nicht gleich mit dem Problem konfrontiert, dass diese Person Sex will.
Irgendwie ist das eine traurige Erkenntnis. Ich bin eben sehr berührungsarm aufgewachsen. Meine ganze Familie interagiert nur sehr wenig mit Berührungen. Ich war diejenige, die damit angefangen hat, sich zur Begrüßung und Verabschiedung zu Umarmen. ICH! Das heißt schon was. Aber ich mache meiner Familie keinen Vorwurf, denn sie haben das nicht mit Absicht gemacht.
Und ich bin ja nun auch allein drauf gekommen. Ich hoffe einfach, dass ich das in Zukunft besser ausleben kann. Auch wenn hier wieder meine Selbstzweifel kommen. Wenn ich so aussehe, wie ich aussehen möchte, bin ich weniger feminin, das war schließlich das Ziel. Aber dadurch wirke ich auf vor allem Männer ja weniger anziehend, aber ich will ja mit denen nicht zwangsweise Sex, haben, also sollte das ja kein Problem sein, aber würden die dann überhaupt mit mir kuschenl,... und so setzt sich das ewig fort. Ich kenne auf viele meiner Fragen und Probleme die Antwort nicht, aber ich bin gedultig genug, zu warten. Ich habe Zeit. Mein Leben ist kein Wettrennen.

Zum Thema Wettrennen. Meine Kariere ist auch kein Wettrennen, deshalb will ich gucken, ob ich doch Richtung Feuerwehr/Polizei wechseln kann. Es ist auf jeden Fall nicht zu spät. Und mich macht die Promotion einfach nicht glücklich.
Wo mir einfällt, ich habe nun auch diagnostizierte Depressionen. Das war vllt lustig. Ich quatsche mit meinem Therapeuten über Ernährung, da meint er so, ob meine Blutwerte gut sind. Ich so "Naja, außer Vitamin-D Mangel. Da hat mich die Assistentin dann gefragt, ob ich Depressionen habe, aber das verneinte ich, denn das hätten sie mir ja gesagt." - Schweigen - Therapeut:"Ähm, naja, sie haben Depressionen." -  ich:"Oh." ...
Ja, geilstes Gespräch seit langem. Vor allem, war der erste Befund des Vitamin- D Mangels vor 3 Jahren oder so. Hätte ich das meinem Therapeuten gesagt, hätte ich schon viel früher wirklich hart daran arbeiten können, den zu steigern, denn der Mangel kann Depressionen begünstigen. Naja, mein Therapeut meinte dann, ich habe immer nur in bestimmten Situationen Depressionen, nämlich Bachelorarbeit, Masterarbeit, Doktorarbeit. Ja und die Doktorarbeit geht mindestens 3 Jahre und so lange möchte ich sicher nicht noch unter Depressionen leiden. Ich denke, der Entschluss, die Promotion vllt doch sein zu lassen, wenn ich wo anders eine Zusage habe, hat mich befreit und mir den Schwung fürs Fitnessstudio gegeben. Wissenschaft ist eifnach nicht das, mit dem ich denke, glücklich werden zu können. Da muss ich dann gehen. Menschen zu helfen hingegen hat mich immer erfüllt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen