Ich war mir doch gerade so sicher, was mein Leben angeht. Doch ein Gespräch mit meinem Bruder hat mich wieder ins Schwanken gebracht.
Ich habe nur ein Leben, zumindest nach meinem jetzigen Wissen, aber bleiben wir bei der Sache. Will ich wirklich Physik studieren und dann forschen? Was will ich erforschen. Was ich wirklich herausfinden will, dafür gibt es vielleicht weltweit 10 Forschungsplätze oder so. Ich glaube nicht an mich. Sind meine Ziele zu hoch gesteckt?
Mein Bruder fragte mich, ob es das ist, was ich will oder das, was meine Eltern wollen. Ich erinnerte mich daran, wie ich Papa erzählte das ich Rettungsingenieurin werden will, weil ich nicht denke, dass ich auf der Wissensschiene etwas erreiche. Er sagte mir, ich solle mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Mein Vater glaubt an mich, er glaubt wirklich, dass ich das schaffe. Als er mir dann auch sagte, ich werde in der neuen Stadt gut zurecht kommen, weil ich schnell Kontakte knüpfe und Nutzen aus Menschen ziehe, ohne sie auszunutzen, weil auch ich ihnen etwas gebe, da habe ich endlich wieder den Vater gesehen, zu dem ich als Kind immer aufgeschaut habe. Der Papa, der mich unterstütz, an mich glaubt und stolz ist auf den Menschen, der ich bin. Also nun die frage, für wen will ich Physiker werden? Meinem Bruder habe ich erzählt, dass Wissenschaft einfach das ist, worin ich am besten bin, dass ich es liebe mein Gehirn, meinen Verstand herauszufordern und dass ich nur als Physiker neue Dinge entdecken und erforschen kann. Doch was ich wirklich immer wollte ist die Welt verändern, verbessern. Wie passt das nun mit einem Physiker zusammen?
Ich sollte Politiker werden. Hatte ich auch mal vor, aber das ist nicht mein Weg. Ich werde nicht das Volk belügen um an die Macht zu kommen und dann Wahrheit und Gerechtigkeit zu predigen. Nein.
Ich werde die Materie erforschen. Es gibt noch so viel, das wir nicht kennen. Wenn es sein soll, dann werde ich z.B. eine Lösung für unser Ressourcen- und Energieproblem finden. Sollte ich das wirklich schaffen, dann hat jeder Mensch die Chance auf ein sorgloses Leben in Bezug auf materielle Dinge. Dann müssen wir nur noch als Menschen an uns arbeiten und Toleranz, Respekt und Güte kann auch ein Politiker dem Volk nicht geben, aber vielleicht ein Wissenschaftler.
Nun dürfte klar sein, dass ich meinen Weg zwar selber aus eigener Überzeugung gehe, aber jemand, der die Wünsche und Hoffnungen seiner Freunde und Eltern in sich trägt kann alles erreichen. Daran glaube ich.
Wenn ich eine Frage stellen dürfte, die mir Wahrheitsgemäß beantwortet wird, dann würde diese lauten: Wie wird die Menschheit enden?
Der Erde bleiben noch 3,5 Mrd Jahre, denn die Halbzeit unserer Sonne ist erreicht. Davon lebt der Mensch grob gesagt 200.000 Jahre auf der Erde, ein Katzensprung an Zeit. Ich stelle mir gerade vor, was in den uns verbliebenen 3,5 Mrd Jahren noch aus uns wird. Oder werden wir gar vorher aussterben? Oder wird doch unser Traum war und wir besiedeln das Weltall? Werden wir es je schaffen eine menschenfreundliche Gesellschaft überall auf der Welt zu erschaffen? Das sind alles Fragen, die mir auf der Seele brennen und es stimmt mich etwas melancholisch zu wissen, dass ich darauf nie eine Antwort erhalten werde. Es sei denn, ich schaffe es doch, meine Zeitmaschine zu bauen oder unsterblich zu werden. Am Rande: das zweite halte ich mittlerweile für leichter umsetzbar. Wüsste ich, dass unsere Gattung eh dem Untergang geweiht ist, was ich ja eigentlich glaube, würde ich mein Leben dann nur mir selbst widmen? Wahrscheinlich nicht, so bin ich wohl, das zeigt auch mein Hobby.
Ich stelle mir meine Zukunft vor. Ich sehe mich an vielen Orten der Welt. Ich betrachte immer atemberaubende Landschaften, aber allein. Doch das macht mir keine Angst, denn ich fühle mich wohl. Ja, in meinen Gedanken bin ich glücklich. Natürlich ist es zu zweit schöner, aber es muss nicht zwingend sein. Das beruhigt mich so weit, dass ich zuversichtlich voran gehen kann. So werde ich doch alles finden, was ich suche. Ich darf nur nicht stehen bleiben, deshalb freue ich mich auch schon irgendwie darauf hier weg zu gehe, auch wenn ich weiß, dass es schmerzhaft wird. Aber mir ist auch bewusst geworden, dass alle Menschen, die ich bis zu heutigen Tag kennengelernt habe, meiner Vergangenheit angehören. Klar, gute Freunde und meine Familie werden immer bleiben, aber sie werden nicht immer da sein. Viele meiner Freunde werde ich vergessen. Aber ich weiß, dass es ihnen genau so geht. Meine Eltern werden zurecht kommen und meine Großeltern werden einen friedlichen Lebensabend verbringen. Vor allem ihnen will ich zeigen, dass mein Leben gut sein wird. Sie sollen sich in der wenigen Zeit, die ihnen noch verbliebt, nicht um mich sorgen. Um meinen Bruder mache ich mir am meisten Sorgen. Ich kenne ihn nun fast 3 Jahre, aber es fühlt sich an, als wäre er schon immer in meinem Leben gewesen. Jetzt verstehe ich, was so toll an großen Brüdern ist. Sie beschützen dich und machen sich Sorgen. Ich habe seine Freundinnen oft beneidet, weil ich dachte, sie wären ihm näher als ich, aber heute weiß ich, dass ich ihn auf eine besondere Weise kennen lernen durfte und dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Ich würde ihn am liebsten mitnehmen, aber das geht nicht. Er hat hier sein Leben gefunden. Für mich wäre das nichts, aber er kommt langsam zur Ruhe und schafft es, sein Leben zu sortieren. Ich hoffe, dass ich, wenn ich in vielen Jahren hierher zurückkomme, ihn sehe, mit seinen Kindern und seiner Frau, mitten in dem Leben, dass er sich gewünscht hat. Ich kenne ihn. Wahrscheinlich wird er sich nicht mehr daran erinnern, dass er mich einst seine Schwester nannte, aber ich werde trotzdem froh sein, denn wir hatten unsere Zeit und die war einmalig.
Ich frage mich auch, was aus meinen besten zwei Freunden wird. Aber das ist eine andere Geschichte, schließlich machen sie gerade den selben Schritt. Wir brechen auf in eine neue Welt!
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