Donnerstag, 2. Juni 2016

inneres Feuer

Ich habe letztes mal geschrieben, ich sei zur Besinnung gekommen. Das war ich auch, nur ein letztes mal habe ich danach noch ein Versuch gestartet. Es lief natürlich wieder seltsam. Aber ich bereue nichts. Ich bin wirklich ein absolut seltsamer Mensch. Jeder, den ich kenne, sagt das.

Oft muss ich mir hier anhören, dass die DDR bestimmt schlimm war. Manche fragen mich sogar, wie das so war dort zu leben. Eigentlich habe ich gar nichts mit diesem Staat am Hut, denn ich habe ihn nie erlebt, doch ich beginne zu merken, dass unser heutiges Leben nicht so viel anders ist, als das meiner Eltern. Wir haben zwar mehr Parteien, aber ist doch egal, wen wir wählen, es ändert sich nichts. Wir haben manipulierte Medien, Pressefreiheit hin oder her, wenn die Medienkonzerne nichts davon berichten, erfährst du nichts, so ist das. Ja, ich kann in fast jedes Land der Welt reisen, toll. Aber viele haben nicht mal das Geld ins Nachbarland zu reisen. Jetzt sagen viele, aber du könntest, schön, ich könnte auch auf den Mond fliegen... Versteht ihr? Das Leben hier ist nicht so viel anders. Hier musst du auch aufpassen, wann du zu wem was sagst, vor allem im Internet. Sind da mal Bilder oder Texte drin, kann dich das den Job kosten.
Man merkt, ich fühle mich hier in diesem Land nicht wohl, aber vor allem fühle ich mich nicht frei!
Ich kann nicht einfach los ziehen und die Welt erkunden, an vielen Grenzen werde ich aufgehalten und zurück geschickt. Ich kann nicht einfach in einem anderen Land arbeiten, nein, ich brauche tausend Zettel für die Genehmigung. Ich fühle mich wirklich gefangen in diesem Land. Ich weiß, wenn ich nach dem Studium um die Welt ziehe, werde ich nie einen gut bezahlten Job bekommen, denn dann kommt die Frage: "Was ist denn das da für eine Lücke im Lebenslauf? Sie haben zu wenig Erfahrung, abgelehnt." Aber wisst ihr was? Mir ist das wirklich egal! Mir ist so vieles egal geworden. Diese Gesellschaft macht mich fertig. Ich sehe so viele leere Menschen, es ist beängstigend. Was diesen Menschen wichtig ist, Mode, Technik, der kurze Städtetripp, der perfekte Freund, das riesen Haus, das teure Auto, daran kann ich mich nicht erfreuen. Ich will keine Geld. Ich will die absolute Freiheit, dort hin gehen zu können, wo immer ich auch hingehen möchte. Ich will nicht, dass ich ständig überwacht werde und mich melden muss, wo ich bin und was ich mache. Aber ihr glaubt nicht, wie klein mir die Welt gerade vorkommt. So viele Ecken der Welt sind von der Zivilisation erschlossen. Man könnte fast sagen, ich fühle mich von unserer Gesellschaft bedroht, sie ist einfach überall und sie drängt sich mir auf.
Meine Eltern wollen bestimmt, dass ich was aus mir mache. Sie glauben, dass macht einen Menschen glücklich, aber was will ich mit Geld, wenn meine Seele grau ist und meine Fantasie erloschen. Ich will jeden Tag aufstehen und ein Ziel haben und ich möchte jeden Abend einschlafen und nichts bereuen. Ich will mir nicht denken, irgendwann lebst du, jetzt erstmal arbeiten, nein, ich will dort arbeiten, wo ich gerade bin. Egal ob Feldarbeit oder Hausarbeit. Ich verstehe natürlich, dass ich für meinen Lebensunterhalt arbeiten muss, aber ich will nicht in das Hamsterrad geschmissen werden und dort rennen bis ich tot bin!
Langsam fühle ich, wie mein inneres Feuer wieder anfängt heller zu strahlen. In den letzten Jahren ist es immer mehr erloschen, aber die Welt hält noch so viel bereit, ich will mir das nicht nehmen lassen. Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob ich mich je für den Rest meines Lebens in einem "1. Welt"-Land niederlassen könnte. Vielleicht in der Pampa von Kanada oder so, aber Deutschland macht mich fertig. Hier fühle ich mich eingeengt.

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