Sonntag, 19. Juni 2016

Mein Weg

Wisst ihr, ich habe eine beste Freundin. Ich weiß nicht, ob sie das hier ließt, aber ich lese ihre Blogs regelmäßig. Ich weiß auch, dass sie mich nicht mehr als ihre Freundin sieht. Das ist hier aber nicht wichtig, jeder Mensch darf selber entscheiden, wie er andere Menschen sieht. Wichtig ist, dass sie mich im letzten halben Jahr so verdammt doll an mich erinnert, dass ich Angst habe. Ich habe Angst um sie.
Weißt du noch, als ich dir erzählt habe, dass ich die Fotosynthese in Blättern sehe, wenn ich durch die Natur laufe oder das ich mich mit dem Sternhimmel verbunden fühle? Heute ist es nicht anders als damals, die Natur ist hier meine engste Verbündete. Du lernst jetzt das kennen, was ich seit vielen Jahren wahrnehme. Auf der einen Seite fühle ich mich dir dadurch näher als wahrscheinlich das letzte Jahr, aber es stimmt mich auch traurig zu wissen, dass du nun in einer ähnlichen Phase bist wie ich. Weißt du, es ist gut, diese ganzen Erfahrungen zu machen, aber ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest. Mich hat das alles verändert. In der Ferne zur Heimat wurde es nur noch stärker.
Ich bin so wahnsinnig froh, dass du so viele andere Sachen erlebt hast, bevor du einsam wurdest. Dadurch kannst du hoffentlich lachen und Freude aus tiefstem Herzen verspüren.
Ich will einfach nicht, dass das bei dir auf einen Weg wie meinen hinausläuft. Ich möchte nicht, dass du so viel Trübsal bläst. Aber ich weiß auch nicht, wie ich dir helfen kann. Wahrscheinlich kann ich dir nicht mehr helfen, denn ich erreiche dich schon lange nicht mehr. Aber ich werde dir immer nur das Beste wünschen und mich jedes Mal freuen, wenn wir uns wieder sehen. Auch wenn du weit weg von mir bist, ich habe so viele Erinnerungen, dass ich immer eine tiefe Verbindung zu dir haben werden, auch wenn du das nicht spürst. Für mich bist du immer noch meine beste Freundin, weil ich weiß, dass du mich auch heute noch verstehen würdest, wie kein anderer Mensch zuvor.

Damit kommen wir auch schon zu meinem nächsten Gedanken. Gestern habe ich mit einem alten Mann geredet, den ich das erste und letzte mal vor einem Jahr gesehen hatte. Ich kenne ihn praktisch nicht. Wir haben bei einem Fest zusammen am Ausschank gearbeitet. Danach habe ich mich auf einer Bank ausgeruht und er setzte sich dazu. Er wollte wissen, was ich arbeite. Ich sagte ihm, ich studiere Physik plus Astronomie. Sein Gesicht veränderte sich. Er hat erfurcht vor meinem Wissen, vor meinen Fähigkeiten. Er bewundert, wie ich eine Situation analysieren kann und mich problemlos in einen Arbeitsprozess einfügen kann. Wie ich eine Lage überblicke. Noch nie hat jemand das zu mir gesagt. Ich war wirklich erstaunt. Aber ihr glaubt nicht, wie verblüfft ich noch im Verlauf des Gespräches werden würde. Er hat erkannt, dass ich schüchtern bin, dass ich meine eigenen Fähigkeiten runter spiele, mich selbst nicht anerkenne. Ich habe ihm gesagt, jeder will immer, dass ich mehr lache, das verstehe ich nicht. Seine Antwort war das absolut verblüffendste im Gespräch: "Die Menschen sehen, dass du ein so fröhlicher Mensch bist, aber nicht lachst." Er hat gesehen, in meinem Inneren bin ich ein wirklich fröhlicher Mensch, das würde ich nicht bestreiten, aber ich lache nicht, das stimmt. Ich wusste nicht, dass ich so auf andere wirke. Sie alle wollen mir mein Strahlen zurück geben, das ich in mir trage, das habe ich nie so gesehen. Aber wo ich darüber nachdenke, nur Menschen, die mich wenigstens etwas näher kennen, wollen, dass ich lache. Mir ist meine Wirkung auf andere Menschen nicht bewusst gewesen. Sie müssen wirklich niedergeschlagen sein, wenn sie ständig jemanden sehen, der irgendwie total fröhlich ist, im Inneren, aber nicht lacht. Wie eine Sonne hinter dunklem Glas. Dieser alte Mann wusste auch, dass ich keinen Freund habe, dass es mir schwer fällt jemanden zu finden, dass ich einsam bin. Ich musste ihm nichts sagen. Ich habe überlegt, ob das nicht langsam zu privat wird, aber ich dachte mir, wenn er eh so viel mit ein paar Blicken rausgekriegt hat, ist es jetzt auch egal. Er sagte mir, ich solle in die weite Welt gehen, international suchen. Menschen wie mich gibt es nur ganz wenige auf der ganzen Welt. Zum Schluss hat er gefragt, wie alt ich bin. Nach meiner Antwort hat er fasst geweint. Er sagte nur mehrmals:"Du tust mir so leid, so jung.". Er hatte Mitleid mit mir, weil ich noch nie jemanden wie mich gefunden habe und mich auch so viele Menschen nicht verstehen. Ich bin in ihren Augen einfach anders. Die Menschen können mit meiner Intelligenz nichts anfangen hat er gesagt. Sie fürchten sich, sind überfordert. Ich schrecke Menschen ab. Aus so vielen Gründen habe ich ihm Leid getan. Aber er war eben der erste Mensch, der so zu mir gesprochen hat. Ich habe gemerkt, dass er mich voll und ganz anerkennt, respektiert und mein Wissen bewundert. Er sagte auch oft, dass er das nie erreichen könnte, was ich heute kann. Ihm war es wichtig, dass ich mich selber als besonders anerkenne, dass ich nicht 0815 bin. Er hat gemerkt, dass ich das nicht kann, dass da schon zu viel Schmerz bei mir ist. Vielleicht habe ich ihm auch deshalb so leid getan, aber ich konnte einfach nichts überspielen, er hat mich so krass durchschaut, wie noch nie jemand so schnell.
Über das Gespräch werde ich wohl noch lange nachdenken. Nur es hat mir klar gemacht, dass mir tatsächlich kein anderer Weg bleibt, als die weite Welt. Ich wollte nie weg aus der Heimat, aber ich habe irgendwie gemerkt, dass ich nicht dort bleiben kann. Es tut weh, ja. Ich weiß nicht, was ich machen soll, wie es weiter gehen wird, aber ich werde weiter gehen, mal sehen wo ich ankomme. Das Leben ist verdammt seltsam und ich verstehe einfach keine Menschen, nie, nie habe ich das Gefühl jemanden zu verstehen. Um so älter ich werde, um so schlimmer wird es...

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