Sonntag, 17. Juli 2016

Leere

Ich hatte wieder eine interessante Begegnung. Gestern war ich kurz mit Leuten zusammen, von denen ich ein paar flüchtig kenne. Wir unterhielten uns und eine Frau wusste erstaunlich viel über mich, aber ich hatte ihr das nicht erzählt, da fragte ich nach. Sie sagte mir, dass sie sich neulich mit einer Kameradin von mir getroffen hat und irgendwie waren sie auch auf mich gekommen. Meine Kameradin sagte unter anderem über mich : "Sie ist viel zu schlau für diese Welt.". Ich hatte sie so beeindruckt, dass ich japanisch lerne oder meine Physikaufgaben rechne und zwischendurch noch mit Leuten quatschen kann, daher der Ausspruch. Auf der einen Seite fühle ich mich geehrt, aber diese Seite überwiegt nicht. Ich dachte mir nur, dass ich wieder so anders bin, wieder falle ich auf, wieder bin ich komisch. Ich meine, wenn etwas für mich total normales andere Menschen so beeindruckt, dann verstehe ich, warum anscheinend viele Menschen "Angst" vor mir bzw. meinem Wissen haben. Ehrlich, ich verstehe das nicht. Was soll ich denn machen? Wollen sich die Anderen nicht eingestehen, dass ich dem ein oder anderen Gebiet mehr Ahnung habe als sie? Das kann es doch nicht sein, ich weiß doch bei weitem nicht alles! Oder fürchten sie, dass ich nur über langweiliges Zeug rede oder vielleicht eine Diskussion über die Gesellschaft anfange? Wenn es dass ist, dann möchte ich mit den Leuten vllt tatsächlich auch nicht mehr reden. Aber mal ehrlich, ich kann mich doch anpassen. Ich rede nicht mit Menschen, wenn ich nicht will, also was ist dann immer so komisch daran, dass ich "so schlau" bin...?

Ach man, ich verstehe Menschen wirklich nicht. Ich habe mal detailliert darüber nachgedacht. Ich meine, Fremde nicht zu verstehen ist wahrscheinlich normal, aber ich verstehe auch nicht meine Freunde und eben auch nicht meine Familie. Ich kann mich tatsächlich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem ich bei einem anderen Menschen wirklich dachte, ich würde ihn verstehen. All meine Handlungen mit anderen Menschen beruhen auf der Erfahrung aus alten Handlungen. Ich merke mir diese ganzen Handlungen einfach nur wahnsinnig gut und in vielen Situationen suche ich einfach eine alte Vergleichshandlung raus, "sehe" mir die Szene von damals nochmal an, bewerte, ob ich wieder das gleiche Resultat erzielen möchte, wenn ja, handle ich nach Muster, wenn nicht, suche ich ähnliche Handlungen mit anderem Ausgang, der passt, oder probiere eben mal was anderes. Dieses Andere beruht meist auf Erzählungen von anderen, wie sie in bestimmten Situationen handeln. Aber das fällt mir wesentlich schwerer, da ich so eine Situation noch nicht erlebt habe. Klingt dumm, aber ich kann mich dran erinnern, wie ich mir öfter dachte, meine beste Freundin würde jetzt auf den anderen Menschen eingehen. Oder mein Kumpel würde jetzt mit einem Spruch die Situation auflockern. Dieses ganze Denken und Erinnern gibt mir ein krasses Gefühl von Einsamkeit. Ich halte es für gar nicht so unwahrscheinlich, dass vllt kein Mensch einen anderen versteht, sondern das genauso macht, wie ich, aber irgendwie kann ich mir dass dann doch wieder nicht vorstellen.
Ich muss sagen, mit der Hoffnung, auf Besserung meiner Situation schließe ich allmählich ab. Ich erwarte nicht, dass es je großartig besser wird. Ich bin auch nicht wirklich für eine Beziehung gemacht. Ich wünsche mir auf der einen Seite jemanden, der genauso ist, wie ich ihn mir Vorstelle, quasi absolut berechenbar, nur spontan und zufällig, wenn ich will. Aber das ist von der anderen Seite betrachtet doch total dumm und absurd von mir, das wäre dann schließlich kein Mensch mehr und ich will auch niemandem etwas vorschreiben, jeder soll bitte so sein, wie er eben ist. Tja, und genau aus dem Grund werde ich wohl allein bleiben.
Ich muss gerade lachen und weinen, denn ich habe mir vorgestellt, wie ich es einfach nicht hinkriege Situationen zu lesen und so übelst dumm in einem peinlichen Momenten aus der Wäsche gucke. Wenn mich ein Typ küssen will und ich dann irgendwie frage, ob es ihm gut geht oder so. In meiner Vorstellung verdammt lustige Szene, aber gleichzeitig zieht sich in mir alles zusammen, es tut weh. Das sind die Schmerzen, die ich nicht mehr haben und deshalb Gefühle rausschmeißen wollte. In den Momenten denke ich oft an die Worte eines Freundes: "Lass die Gefühle zu, du gewinnst mehr, als du verlierst.". Mit ständig diesen schmerzhaften Gefühlen kann ich mir das nie vorstellen. Aber so langsam bin ich sowieso an einer Grenze angekommen. Mache ich nicht bald was, werde ich wahrscheinlich so bleiben, oder schlimmer, noch stärker abdriften.
Wie ich vor kurzem realisiert habe, habe ich mir immer eingeredet, ich habe es nicht verdient fröhlich und glücklich zu sein. Mittlerweile hat sich das anscheinend in meinem Unterbewusstsein manifestiert. Ich kann noch mit Leuten lachen und Spaß haben, aber sobald ich mich umdrehe um, z.B. nach Hause zu gehen, wird meine Miene neutral und mein Inneres wird leer, wirklich leer. Ich spüre wie die ganzen schönen Gefühle aus mir raus gesogen werden (da muss ich an die schwarze Qualle denken). Diese Leere ist wirklich alles verschlingend. Ich fühle dann einfach nichts, mir geht es neutral und das finde ich in dem Moment dann schade. Ich bin gar nicht tief traurig, denn alle Gefühle wurden raus gezogen, auch die schlechten.
Ich denke da oft an das Zitat: "Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." von Friedrich Nietzsche.

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