Freitag, 18. Oktober 2013

Einsam Stark

Daumen nach oben - "Das hätte ich dir niemals so gut zugetraut" - "Du kannst stolz auf dich sein, hast du wirklich gut gemacht" - "Du bist nicht wie dein Alter, du bist besser" - "Ich habe selten jemanden gesehen, der beim ersten mal so gut war"

Alles Worte und Gesten auf die ich immer gewartet habe. Worte und Gesten für die ich hart gearbeitet habe, die ich mir verdienen wollte. - Jetzt habe ich es das erste mal geschafft!
Einfach nur ein geiles Gefühl!
Das kleine Mädchen, dem niemand etwas zugetraut hat, die immer nur der kleine Streber war, die in der Praxis nicht zu gebrauchen ist hat es allen großen und starken Männern gezeigt!
Das erfüllt mich mit Stolz. Ich fühle mich in meinem Handeln so bestätigt wie nie zuvor. Niemals werde ich ohne dieses Hobby leben können. Eigentlich ist es nicht nur ein Hobby, es ist mein Leben!
Endlich bin ich  in den Augen der anderen gleichgestellt. Ich musste es mir wahrscheinlich härter erarbeiten, als die meisten anderen, aber das ist ok, die Welt ist eben nicht gerecht.
Eine lebenslange Liebe!


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Nun mal zu den Schattenseiten des Lebens. Ich fühle mich immer noch  so verdammt einsam. Ich habe nicht mal das Recht zu sterben. Ich habe die Pflicht zu leben...
So fühlt es sich an. Alles ist besser als mein Tod, für die anderen.
Ich würde nicht sterben um anderen das Leben leichter zu machen, sondern mir. Mir das Leben durch den Tod leichter machen - welch eine Ironie. Doch es ist so. Ich bin gefangen in meinem Körper, in meinen Gedanken. Ich kann lieben, doch werde nicht geliebt.
Mich halten die kleinen Lichtblicke am Leben.
Mein Bruder mag mich mehr als ich dachte. Er hat mir in den letzten paar Tagen wieder das alte Gefühl gegeben, dass er mich braucht, dass ich wichtig für ihn bin, dass es auffällt, wenn ich fehle. Wunderschönes Gefühl!
Ich lebe mein Leben vor mich hin. Habe so viele Gedanken, die ich niemandem erzählen kann, weil niemand in meinem Umfeld vom Wissensstand dazu in der Lage ist, das zu verstehen. Ich vermute, dass ist ein großes Problem, das zu meiner Einsamkeit führt. Ich kann es nur bekämpfen, indem ich Leute finde, die so viel wissen wie ich. Also bleibt mir nur das Physik Studium um meiner Einsamkeit zu entkommen?
Ist es unnormal, wenn ich es wunderschön finde mit meinem Freund auf einer Wiese unter dem sternenklaren Nachthimmel zu liegen und mich über unsere Galaxie und das Universum, die Relativitätstheorie und Quanten zu unterhalten? Die meisten würde diese Frage mit "Ja" beantworten, doch ich suche die Menschen, die "Nein" sagen, nicht weil sie ebenso empfinden, sondern weil sie mich verstehen und kennen. Diesen Menschen bin ich unendlich dankbar, dass sie mich schon jetzt auf meinem ungewöhnlichen Weg begleiten!
Ich habe in letzter Zeit immer mehr Kontakt mit Mitmenschen, die ich vorher nicht kannte. Ich freunde mich schnell mit ihnen an und habe Spaß. Das ist ein schönes Gefühl zu wissen, ich bin nirgendwo allein. Ich habe die Fähigkeit, Leute zu finden, mit denen man Spaß haben kann. Anders sieht es schon aus, Leute zu finden, mit denen man wirklich ernst reden kann. Aber auch da weiße ich ein gewisses Talent auf. Diese Tatsache beruhigt mich, in der Hinsicht auf mein späteres Leben, ungemein.

Meine beste Freundin und ich machen fast nichts mehr gemeinsam. Ich weiß noch viel von ihrer Welt, aber schon lange nicht mehr alles. Heute hat sie mich gefragt, ob ich jemanden habe, mit dem ich rede, also über mich, meine Probleme, mein Leben. Sie vermutete, ich rede mit meinem besten Freund, aber ich verneinte. Ich rede in letzter Zeit mit keinem. Sie ist die einzige, die mich bis heute je verstehen konnte. Doch sie hat ihre Entscheidungen getroffen und unsere Wege entfernen sich langsam voneinander. Jeder könnte zu dem anderen rüberlaufen um mit ihm den Weg gemeinsam zu gehen, aber im Moment macht das niemand von uns beiden. Wir laufen immer weiter voneinander weg, haben den anderen aber immer fest im Blick. Schon komisch. Wenn wir uns unterhalten, ist es, als wären wir jede Minute zusammengewesen, es ist wie immer. Ich bin wirklich gespannt, wie das weiter geht. Werden wir Freunde bleiben oder werden wir wieder zu den Fremden, die wir einmal waren. Ist sie dann nur noch ein Name in meiner Sternen-Freunde-Liste auf Facebook? Ich weiß ehrlich nicht, was mir zu Zeit lieber währe. Dadurch, dass ich mit niemandem über meine Probleme rede, werde ich nicht so oft mit ihnen konfrontiert. Ich lebe ohne große Gefühlsaufwühlungen, also ziemlich ruhig. Ist doch gut, oder?


Tanzen wir im Regen und warten, was das Leben für uns bereit hält.

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