Montag, 28. Oktober 2013

Stumme Schreie

Ich koche was. Du tust so, als würdest du nicht zugucken, doch ich stelle mich, wie immer, wie der letzte Depp an. Du gibst mir Tipps und ich weiß, die sind nur gut gemeint. Ich kriege es nicht hin, renne kurz weg. Mir ist alles egal. Ich verzweifle. Ich komme wieder. Mir rollt die erste Träne über die Wange. Ich schaue dich nicht an. Ich will nicht, dass du mich so siehst. Du gehst, meinst du willst nicht stören. Weg bist du und ich sitze alleine hier und weine. Meine Welt bricht mal wieder zusammen. Ich kämpfe allein gegen meine Dämonen, gegen den Selbstzweifel. Wie sehr wünsche ich mir, du wärst hier und würdest mich trösten, aber du bist gegangen. Ich frage dich später übers Handy, ob du gegangen bist, weil ich angefangen habe zu weinen. Ja...
Ist ok. Ich werde dich nicht mehr mit meinen Problemen belasten. Bist du hier, bin ich stark. Du hast dich entschieden, so wie ich erwartet habe. Du hättest mich eh nicht verstanden. Der misslungene Versuch zu kochen hat mein Fass einfach nur mal wieder zum überlaufen gebracht. Doch du dachtest, du bist schuld. Wie falsch du doch liegst. Du versuchst mich zu entlasten, damit ich Zeit für die Schule habe. Dafür bin ich dich so dankbar! Du hilfst mir so oft und hast mir schon viel beigebracht, vor allem, was der Umgang mit Menschen angeht. Wieso verstehst du nicht, was meine Tränen zu bedeuten hatten?
Ich bin wahrscheinlich zu undurchschaubar. Daran bin ich selbst schuld. So wollte ich immer sein. Ein Mysterium. Jetzt kriege ich die Rechnung. Keiner versteht mich, weil mich niemand durchschaut. Ja, es gibt eine Person, aber sie war gerade nicht hier. Außerdem ist es mir wichtig, dass Menschen, die ich mag, mich verstehen, mich einschätzen können. Du kannst mich einschätzen, sogar ziemlich gut. Doch du verstehst die Gründe für meine Handlungen nicht. Dir kommt vieles dumm und unlogisch vor. Ich stehe vor dir da, wie der letzte Vollidiot, total unfähig, sein Leben in den Griff zu kriegen. Das will ich nicht! Du sollst sehen, wer ich wirklich bin! Doch wie zeige ich dir das, ohne zu viel von mir Preis zu geben? Es gibt Seiten, die will ich dir einfach nicht zeigen.
So komme ich zu dem Schluss, ich muss noch stärker in deiner Gegenwart sein. Ich muss überlegt handeln, alles vorher akribisch durchdenken. Du sollst nicht noch einmal gehen, nur weil ich schwach bin. Bruder.


Keine Sorge, du bist nicht der einzige.

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