Freitag, 31. Januar 2014

Zukunft?

Ich glaube, ich werde alt, oder vielleicht auch nur erwachsen, aber vielleicht auch nicht, wer weiß.
Wenn ich über meine Zukunft rede, spreche ich immer so, als würde es so klingen, dass ich mal Kinder haben werde. Doch jedes mal, wenn ich so rede wird mir wieder bewusst, dass ich das nicht will.
Ich will nicht, das meine Kinder Leid ertragen müssen. Ich würde ihnen das Leben zur Hölle machen. Ja, sie wären bestimmt gut erzogen, aber ich würde ihnen auch viel von meinem Wissen mit auf den Weg geben. Ich würde ihnen viel erzählen. Kinder merken sich sowas, sie merken sich mehr, als man sich je vorstellen kann. Mein Vater hat mir erzählt, er hat mit mir schon immer wie mit einem Erwachsenen gesprochen. Er hat Dinge und Vorgänge nie vereinfacht oder verschönigt. Nun weiß man, woher ich mein ganzes Wissen habe. Kinder saugen Worte und Erzählungen regelrecht in sich auf. So war es bei mir und so würde es auch bei meinen Kindern sein, denke ich. Das will ich nicht. Die andere Option wäre, ihnen nicht ganz so viel Wissen mit auf den Weg zu geben. Sie sind dann zwar schlau, aber die würden das Leben nicht so sehen wie ich. Doch dann könnte ich mich nie mit ihnen über die Dinge unterhalten, die mich beschäftigen und bewegen. Sie hätten vielleicht ein schöneres und einfacheres Leben, doch irgendwie wären sie mir immer Fremd.
Auch wäre ich tief enttäuscht, wenn meine Kinder eben nicht so gut in der Schule sind, wenn lernen ihnen keinen Spaß macht, wenn sie sich nicht für Wissenschaft interessieren. Ich würde nicht mit ihnen klar kommen. Natürlich, man würde sich arrangieren und im Alter wäre ich bestimmt Stolz auf sie, aber der Weg da hin wird zu schwer. Dann mache ich mir auch noch Sorgen, dass sie ohne Vater aufwachsen oder ich nie Zeit für sie habe, weil ich arbeite, forsche. Sie hätten eine schreckliche Kindheit oder ein schweres Leben. Wie man es auch dreht und wendet, irgendwie kommt nichts gutes dabei raus, wenn ich mir mein Leben mit Kindern vorstelle. Deshalb will ich keine. Ja klar, damit verwehre ich irgendwelchen Menschen das Recht zu Leben, doch wer erstmal lebt hat es viel schwerer zu sterben. So sollen manche wohl lieber nie geboren werden.
Ja, auch wenn ich den Richtigen gefunden habe, kann sich das alles noch ändern, vielleicht sollte ich nicht alles so pessimistisch sehen. Aber ich finde es immer wieder erstaunlich, wie so viele meiner Freunde sich sicher sein können später einmal Kinder zu haben. Ich frage mich manchmal, ob sie die Verantwortungen, die ein Kind mit sich bring, ignorieren oder auf die leichte Schulter nehmen. Eltern prägen ihre Kinder auf Lebenszeit. Niemand hat größeren Einfluss auf sie. Ich möchte nicht jemanden mit meinen Fähigkeiten erschaffen. Ich sehe es immer noch als eine gewisse Qual viel Wissen und Intelligenz zu besitzen. Wenn du das erstmal hast, kannst es nie wieder los werden, aber wenn du nicht als Kleinkind anfängst es dir anzueignen, wirst du nie dieses Ausmaß besitzen können. Also entscheide ich für meine Kinder. Das traue ich mir einfach nicht zu. Ich weiß doch gar nicht, wie sie leben wollen. Das lege ich zwar in gewisser Weise auch mit meiner Erziehung fest, doch ein Mensch hat immer noch einen eigenen Willen, den keiner beeinflussen kann. Was also, wenn meinen Kindern das vollkommen Falsche gebe. Die Verantwortung ist doch enorm.
Ich sehe meine Eltern an und sehe, dass sie zwar stolz auf mich sind, aber ich sehe auch, das sie mich nicht verstehen. Sie geben öfter zu, dass ich sie von der Intelligenz schon übertroffen habe. Unterhalte ich mich mit ihnen auf Fakten-Basis, kann ich noch von ihnen lernen, dazu fehlt mir einfach die Lebenserfahrung und die Zeit, mir die ganzen Fakten anzueignen. Doch über hoch wissenschaftliche Themen kann ich mit ihnen seit ein paar Jahren nicht mehr reden. Das ist manchmal ziemlich einsam, weil eigentlich kann ich mit niemandem darüber reden. Die einzigen, die mir noch Dinge beibringen können sind wirklich die Lehrer.
Meine Kinder sollen nicht so werden müssen. Die Tatsache, dass ich mir von meinen Eltern nicht geliebt fühle ist schmerzlich. Ich weiß, dass sie alles für mich machen würden und mich auch gern haben, aber ich fühle es nicht! Unsere Beziehung basierte schon immer auf Fakten. Ich habe mich mit meinen Eltern noch nie so gestritten, dass jemand laut geworden ist. Wir haben immer sachlich argumentiert und schließlich einen Kompromiss gefunden. Ist das normal für ein Kind? Sachlich zu argumentieren? Für ein Kind? Verdammt nein! Das kommt mir so unnormal vor. Was war ich nur für ein Kind?
Nun ja, mal abgesehen von meiner seltsamen Kindheit, meinem nicht normalen Charakter. Ich rede hier über Kinder und habe noch gar keinen Mann. Meine beste Freundin meint immer, ich müsste halt warten, bis ich jemanden finde, der mit meinem Wissensstand mithalten kann. Ich glaube langsam, das ist nicht mehr das wichtigste für mich. Mir ist es wichtiger, dass mein Freund mir Geborgenheit und Liebe gibt. Er muss nicht so schlau sein wie ich, aber er soll sich für Wissenschaft interessieren. Ich erzähle ihm dann davon. Er könnte das dann sicher auch verstehen. Obwohl, wenn ich mir das so vorstelle, wäre das vielleicht doch nicht das Richtige. So ähnlich ist das heute schon. Ich habe gute Freunde. Ich erzähle ihnen von meinem Wissen, da schalten manche schon ab, aber die, die sich meine Geschichten anhören, sind oftmals fasziniert. Doch obwohl ich ihnen schon so viel erzählt habe, sehe ich nur kleine Fortschritte. Ich will sie gar nicht auf mein Level kriegen, das möchte ich ihnen nicht zumuten. Wie oft höre ich den Wunsch, so viel zu wissen wie ich. Ich würde den Menschen das dann wirklich gern zeigen. Dann sollen sie beurteilen, ob sie immer noch so sein wollen. Jeder hat doch eigentlich den Wissensstand, der zu seinem Charakter und seiner Persönlichkeit passt. Oder passen sich die beiden Eigenschaften vielleicht dem Wissensstand an. Das halte ich für gar nicht so unwahrscheinlich.
Ich werde wohl einfach abwarten müssen, was die Zukunft bringt. Und obwohl es nichts ändert werde ich mich Tag ein, Tag aus mit den Gedanken über so viele Dinge rumschlagen. Schicksal.

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